Balanceakt auf dem Hochseil

Als Zentrumsspital war das KSW – wie unzählige andere Spitäler national und international – im Geschäftsjahr 2020 ausserordentlich gefordert. Es war teilweise äusserst anspruchsvoll, eine konstante, jederzeit ausreichende und qualitativ hochstehende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet zu gewährleisten.

Dr. Franz Studer Präsident des Spitalrats und Rolf Zehnder Spitaldirektor

Mit anfangs bescheidenen Informationen zur Corona-Pandemie hat das KSW sich vor und während dem ersten Lockdown auf die unbekannte Situation eingestellt und die Zeit während des verordneten Behandlungsverbots für nicht dringliche elektive Behandlungen genutzt, um eine Pandemie-Organisation aufzubauen. Personalplanung, Sicherstellung des Schutzes der Mitarbeitenden und der relevanten Logistikketten sowie ein tagesaktuelles Reporting zur Führung und Steuerung des Pandemiebetriebs waren zentrale Themen im Frühling. Nicht zu reden von der grossen Belastung aller, ausgelöst durch die schwierige Behandlung der Patientinnen und Patienten, die ungewisse Entwicklung und die Bilder aus den Spitälern in Norditalien.

Auch die Rückkehr zur «Normalität» im Sommer war anspruchsvoll: Auf welche Szenarien hatte die Organisation sich einzustellen? Das Nachholen aufgeschobener Behandlungen und die weitgehende Ablösung des Pandemiemodus durch einen Normalbetrieb mit strengen Hygienemassnahmen zum Schutz der Patientinnen und Patienten beschäftigten das KSW intensiv.

Im Spätherbst musste das KSW erneut auf Krisenmodus umstellen. Die Zahl der COVID-19Patienten war in der zweiten Welle viermal so hoch wie im Frühjahr. Massnahmen waren diesmal jedoch nicht mehr rigid behördlich verordnet, sondern unternehmerisch selbst zu steuern, was nicht weniger anspruchsvoll war. Das im Frühjahr entwickelte Stufenmodell zur Führung des Betriebs war hilfreich. Das Gleichgewicht zu finden zwischen der Aufrechterhaltung elektiver Behandlungen und der Bereitstellung ausreichender Kapazitäten für die Betreuung von Corona-Patienten war sehr schwierig. Die unterschiedliche Betroffenheit und Auslastung der Mitarbeitenden, Unklarheiten über den behördlichen Kurs und die Ungewissheit in Bezug auf die weitere Entwicklung der Pandemie haben das KSW bis an seine Grenzen gefordert und manchmal auch leicht aus dem Gleichgewicht gebracht.

Trotz Krisensituation ist das Leben weitergegangen. Dr. med. Gesine Meili löste als Departementsdirektorin und Chefärztin Gynäkologie und Geburtshilfe den bisherigen Direktor, Dr. med. Thomas H. Hess, ab. Die Arbeiten am Ersatzneubau «didymos» wurden unter erschwerten Bedingungen weitergeführt: Die Corona-Massnahmen auf der Baustelle haben eine Verzögerung von sechs Monaten zur Folge. Ausserdem wurde der Entscheid gefällt, einen neuen Direktionsbereich «Prozessgestaltung und Digitalisierung» zu schaffen, um die Digitalisierung der Betriebsprozesse voranzutreiben. Leiter dieses Bereichs und Spitalleitungsmitglied ist seit 1. Januar 2021 Alexander Nelles.

Das KSW hat die Corona-Krise bisher sehr gut gemeistert. Die Behandlungsqualität war auch in dieser ausserordentlichen Situation sehr hoch. Trotz Lockdown, zusätzlichen Anstrengungen für die Versorgung der COVID-19-Patienten und grossem Aufwand für einen sicheren und den Vorgaben entsprechenden Betrieb ist das Ergebnis des KSW ausgeglichen und wurden keine zusätzlichen kantonalen Subventionsbeiträge beansprucht.

Für den herausragenden Einsatz in der Krisensituation gebührt den Mitarbeitenden ein ganz grosser Dank. Ohne ihre Bereitschaft, auch unter erschwerten Bedingungen immer wieder noch eine Extrameile zu gehen, wäre die medizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet nicht möglich gewesen. Und diese sind wir der Bevölkerung schuldig.

Dr. Franz Studer
Präsident des Spitalrats
Rolf Zehnder
Spitaldirektor

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