Leistungsbericht

Mehr stationäre und ambulante Patienten

Im Berichtsjahr ist die Zahl der stationären Patientinnen und Patienten am KSW nach einem leichten Rückgang im Vorjahr wieder angestiegen und hat einen neuen Höchststand erreicht. 2018 wurden insgesamt 27608 Patienten stationär behandelt, was im Vorjahresvergleich einer Steigerung um 520 Patienten oder um knapp 2 Prozent gleichkommt. Dieser Anstieg bei den Patienten verteilte sich auf alle drei Versicherungskategorien (allgemein, halbprivat und privat). Der Anteil der Zusatzversicherten blieb 2018 mit 21,3% gegenüber dem Vorjahr (21,4%) praktisch unverändert. Dementsprechend entfielen 78,7% der Behandlungsleistungen auf grundversicherte Patienten. Diese Zahlen sind vor dem Hintergrund des Trends «ambulant vor stationär» bemerkenswert.

Im ambulanten Bereich weist das KSW im Berichtsjahr einen leichten Rückgang bei den Taxpunkten aus. Dieser Wert sank von 120,1 Millionen im Jahr 2017 auf 117,4 Millionen oder um gut 2%. Der Rückgang bei den Taxpunkten ist vor allem auf die auf 2018 vom Bund verordnete Tarifsenkung im ambulanten Bereich (TarmedRevision) zurückzuführen. Die ambulanten Fälle und die damit verbundenen Leistungen nahmen im Gegensatz dazu um 7% zu, und der ambulante Ertrag betrug wie im Vorjahr rund CHF 160 Mio. Dieses konstante Ergebnis ist vor dem Hintergrund der vom Bund verordneten Tarifsenkungen sehr positiv zu werten, haben doch diese Änderungen im Vergleich zu 2017 mit einem Minus von rund CHF 10 Mio. zu Buche geschlagen, das kompensiert werden musste.

Im Durchschnitt wurden am KSW 2018 etwas komplexere Fälle behandelt als im Vorjahr, was sich in einer Zunahme des mittleren Schweregrads aller abgerechneten Behandlungsfälle (CMI) um 1% auf 1,039 (Vorjahr 1,028) manifestiert. Damit lag dieser Wert leicht über jenem im Jahr 2016 (1,037). Obwohl die Fälle an Komplexität zunahmen, konnte 2018 die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ein weiteres Mal gesenkt werden – von 5,2 auf 5,0 Tage. Diese Entwicklung ist auf die kontinuierlichen Prozessoptimierungen in den medizinischen Behandlungen wie beispielsweise die konsequente Umsetzung von Same Day Surgery (siehe auch Seite 40) zurückzuführen.

Bewegung und sportliche Betätigung beschleunigen den Heilungsprozess von Patientinnen und Patienten.

Inhaltsverzeichnis

Patientenzahlen

PATIENTENSTATISTIK NACH KLINIKEN Departement Medizin Departement Chirurgie Departement Geburtshilfe und Gynäkologie Departement Kinder- und Jugendmedizin Institute (inkl. Augenklinik, Radio-Onkologie, Notfallorganisation) Total KSW Jahr 2018 Total KSW Jahr 2017
Stationäre Patientenaustritte 7 835 11 485 4 525 2 785 978 27 608 (100,0%) 27 088 (100,0%)
davon grundversicherte Patienten 5 846 8 747 4 040 2 403 701 21 737 (78,7%) 21 280 (78,6%)
davon halbprivatversicherte Patienten 1 452 1 750 416 289 191 4 098 (14,8%) 4 075 (15,0%)
davon privatversicherte Patienten 537 988 69 93 86 1 773 (6,4%) 1 733 (6,4%)
CMI* 1,091 1,255 0,595 0,772 0,880 1,039 1,028
Aufenthaltsdauer 6,6 4,7 3,5 4,7 3,4 5,0 5,2
davon grundversicherte Patienten 6,6 4,7 3,4 4,9 3,5 4,9 5,1
davon halbprivatversicherte Patienten 6,9 5,0 4,0 3,2 3,2 5,4 5,7
davon privatversicherte Patienten 6,5 4,9 4,0 5,3 3,3 5,3 5,5
Ambulante Taxpunkte** 21 534 821 12 623 289 5 422 015 10 986 625 66 808 761 117 375 511 120 102 713

PATIENTENSTATISTIK NACH KLINIKEN

Total KSW Jahr 2018 Total KSW Jahr 2017
27 608 (100,0%) 27 088 (100,0%)

Für detaillierte Tabellenansicht

* CMI 2017 gemäss SwissDRG Version 6.0, CMI 2018 gemäss SwissDRG Version 7.0
Der CMI 2018 wurde per 1. Februar 2019 ermittelt und umfasst 99,8 % der zu berücksichtigenden Fälle. Leichte Veränderungen an dem ausgewiesenen CMI können sich im Verlauf des Jahres 2019 ergeben.
Beim CMI des Departements Kinder- und Jugendmedizin sind die Patienten der Kinderpsychiatrie nicht berücksichtigt, da die Abrechnung über Tagespauschalen erfolgt.

** Für alle Organisationseinheiten werden Tarmed-Taxpunkte (TXP) ausgewiesen mit Ausnahme des Instituts für Labormedizin und des Instituts für Physiotherapie, die nach einem eigenen Leistungstarif abrechnen.
Bei den ausgewiesenen ambulanten Taxpunkten handelt es sich ausschliesslich um die TXP der fallführenden Organisationseinheiten.

Angebotsentwicklung

Das Tumorzentrum Winterthur am KSW mit seinen sieben Organzentren ist im Berichtsjahr gemäss den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert worden – als erste derartige Einrichtung in der Nordostschweiz. Das Zertifizierungsaudit durch OnkoZert und ClarCert wurde erfolgreich durchlaufen und die Prüfung bestanden. Die Zertifizierung nach ISO 9001:2015 attestiert dem im Jahr 2005 gegründeten Tumorzentrum Winterthur eine hohe fachliche und qualitative Expertise in der interdisziplinären und interprofessionellen onkologischen Behandlung. Bei einer Krebsdiagnose ist es von grosser Wichtigkeit, schon von Anfang an kompetent betreut zu werden und von einer umfassenden Versorgung profitieren zu können.

Zwei gastroenterologische Praxen in Winterthur und eine onkologische Praxis in Schaffhausen haben sich als Kooperationspartner des Tumorzentrums Winterthur mitauditieren und zertifizieren lassen. Weitere Kooperationen bestehen zwischen dem Brustzentrum des KSW und den Spitälern Schaffhausen, Wetzikon, Bülach und Uster. Das Darm- und Pankreastumorzentrum sowie das Brustzentrum sind bereits seit 2014 zertifiziert. Die übrigen Organzentren wurden in den letzten beiden Jahren auf die Zertifizierung vorbereitet. Dazu gehören das Gynäkologische Tumorzentrum, das Lungentumorzentrum, das Urologische Tumorzentrum, das Zentrum für Lymphome und Leukämien sowie das Zentrum für Weichteil- und Knochentumoren.

Neu: Sportmedizin
Im November ist das Medical Center «Sport- und Gesundheitsbusinesspark WIN4», ein «Satellit» des KSW näher bei den Patienten, eröffnet worden. In Kooperation mit Medbase betreibt das KSW an der Grüzefeldstrasse in Winterthur das Center für Prävention, Akutbetreuung und Rehabilitation von Sportlern. Das Angebot richtet sich an gesunde und rekonvaleszente Sportlerinnen und Sportler aller Leistungsstufen und -klassen, also an Breiten- wie auch an Spitzensportler. Das KSW selber bietet im WIN4 spezialisierte medizinische Leistungen aus den Bereichen Sportorthopädie und -traumatologie, Radiologie und Sportrehabilitation an. 2019 kommt dann noch die Sportrheumatologie dazu. Schwerere Fälle werden ins KSW-Hauptgebäude verlegt, grundsätzlich liegt der Fokus aber auf ambulanten Behandlungen.

Als immer noch einziges Spital in der Schweiz legt das KSW bei Blasenoperationen roboterassistiert eine Harnleitung mittels Dünndarm-Ersatzblase an. Im Berichtsjahr hat das KSW seine gute Stellung im Bereich der roboterassistierten Operationen weiter ausgebaut. Aus diesem Grund wurde ein Da-Vinci-Gerät der neuesten Generation angeschafft. Mit der neuen Maschine, die hauptsächlich in der Klinik für Urologie, aber auch in anderen Fachgebieten eingesetzt wird, sind technisch anspruchsvollere Eingriffe und noch kürzere Operationszeiten möglich.

Spezialisierte Neonatologie
Das KSW ist 2018 im Bereich der spezialisierten Neonatologie Kooperationen mit den Spitälern Schaffhausen und Frauenfeld eingegangen. Diese Zusammenarbeit dient der besseren Behandlung der Gesamtbevölkerung im Raum Schaffhausen und Thurgau. In Fällen von Risikoschwangerschaften und von komplexen Frühgeburten kommen die Patientinnen ins KSW. Und in Neonatologie-Notfällen rückt ein Team des KSW aus und kümmert sich um Mutter und Kind. Je nach Schwere des Falls werden sie ins KSW verlegt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird am KSW im Interesse der Patienten grossgeschrieben.

Qualitätsmanagement

Im Berichtsjahr konnte das Qualitätsmanagement den Wirkungsradius und den engen Kontakt zu den klinisch tätigen Fachpersonen ausbauen. Die hohe Akzeptanz für die Aspekte des Qualitätsmanagements ermöglicht eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit in verschiedenen Themenfeldern. 2018 war geprägt von der Thematik «Messbarkeit und Kennzahlen». Dem Wunsch der Spitalleitung nach aussagekräftigen, zeitnah erhobenen Kennzahlen konnte entsprochen worden.

Kontinuierliche Patientenbefragung
Die im Sommer 2017 eingeführte Zufriedenheitsbefragung aller stationär behandelten Patienten erreichte 2018 einen überdurchschnittlich hohen Rücklauf von 47%, was eine aussagekräftige Kennzahl pro Klinik und Station möglich macht, die wöchentlich aktualisiert wird. Gesamthaft hat sich die Patientenzufriedenheit 2018 gegenüber 2017 um 0,4% auf 3,74 Punkte erhöht (auf einer Skala von 1 bis 4, wobei 4 die höchste Zufriedenheit darstellt). Das weist auf eine hohe und konstante Patientenzufriedenheit
am KSW hin.

Ergebnis- und Zufriedenheitsmessungen

2018 sind Ergebnis- und Zufriedenheitsmessungen durchgeführt worden, u.a.:
- Patienten- und Elternzufriedenheit (ANQ)
- ganzjährig: Befragung stationär behandelter Patienten (KSW)
- ganzjährig: Erhebung der Elternzufriedenheit (in der Kinder- und Jugendmedizin)
- Prävalenzmessungen Sturz und Dekubitus
- Reoperationen und Rehospitalisationen
- Wundinfektionen SWISS NOSO


2018 wurde am KSW das zweite Peer Review durch IQM (Initiative Qualitätsmedizin) durchgeführt. Mit der Teilnahme bei IQM befolgt das KSW die Empfehlung des Bundes und ist seit 2016 eines von über 400 Mitgliedsspitälern. Die ständige Verbesserung von Behandlungsprozessen und -ergebnissen führt zu höherer Behandlungsqualität und mehr Patientensicherheit. Mittels Qualitätsindikatoren lassen sich aus den DRG-Daten des KSW Aussagen zur medizinischen Ergebnis- und Behandlungsqualität ableiten. Im Berichtsjahr wurde erneut eine zeitnahe Datenanalyse mit den jeweiligen Verantwortlichen von 48 Krankheitsbildern durchgeführt und Verbesserungspotenzial identifiziert.

Prozesse angepasst
Wegen Zwischenfällen mit Medizinalprodukten gerieten einige Spitäler in die Schlagzeilen und hatten hohe Strafen zu bezahlen. Am KSW ist der Prozess bei Vorkommnissen im Zusammenhang mit Medizinalprodukten unlängst überarbeitet worden; 2018 sind keine diesbezüglichen Probleme aufgetreten. Dennoch wurden die Konzepte und Prozess im vergangenen Jahr unter vermehrtem Einbezug von Fachgremien und Expertengruppen nochmals angepasst. Die Mitarbeitenden nutzten im Berichtsjahr das CIRS-Meldeportal, um kritische Vorfälle zu melden. 2018 wurden am KSW 772 CIRS-Fälle bearbeitet, wobei in über 80% der Fälle Massnahmen empfohlen wurden.

Intensive klinische Forschung

Medizinischer Fortschritt und qualitative Verbesserungen hängen stark und ganz direkt von den klinischen Forschungsaktivitäten ab. Am KSW erfahren Fachspezialisten bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit im Zeichen der Gesundheit deshalb wichtige Unterstützung. Mit der klinischen Forschung wird auch die hohe Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten sichergestellt, die mit ihrer Teilnahme wiederum die Verbesserungen ermöglichen. Die Zentrale Studienkoordination leistet im Auftrag
der Forschungskommission Unterstützung bei administrativen Aufgaben und abteilungsübergreifenden Anliegen. Jede neue aus einem Projekt gewonnene Erkenntnis kommt der Therapie und der Pflege zugute. Im Mittelpunkt stehen dabei immer das Wohl der Patientinnen und Patienten, die Verbesserung der Heilungschancen und der allgemeinen Lebensqualität.

Bewilligung von der Ethikkommission
Im Berichtsjahr wurden am KSW 27 neue Studienprojekte in Angriff genommen. Diese müssen aus Drittmitteln finanziert werden und selbsttragend sein sowie jeweils von der kantonalen Ethikkommission bewilligt werden. Für die Finanzierung der Projekte kamen etwa die Krebsund die Lungenliga, die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK) und Pharmafirmen auf. Im Vorjahresvergleich wurde eine Studie mehr gestartet. Mit 17 Studien wurden die meisten im Departement Medizin durchgeführt, davon entfielen 13 auf die Medizinische Onkologie. Im Institut für Radiologie und Nuklearmedizin wurden 4 Forschungsprojekte bewilligt, im Departement Kinder- und Jugendmedizin 3, im Institut für Anästhesiologie 2 und im Departement Chirurgie, im Departement Geburtshilfe und Gynäkologie sowie im Zentrum für Intensivmedizin je 1 Projekt. Im Verlauf des Jahres haben 136 Patientinnen und Patienten an interventionellen klinischen Studien teilgenommen. Zum ersten Mal hat das Institut für Radiologie und Nuklearmedizin die Bewilligung für eine interventionelle Studie der Kategorie C erhalten, in der die Behandlung von zehn Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs studiert werden soll. Dabei geht es um die Wirksamkeit einer Magnetresonanz-gesteuerten Behandlung mit energiereichem gebündeltem Ultraschall bei Tumoren in der Brust.

Die Forschungskommission umfasst neu elf Mitglieder. Erstmals gehört ihr ein Vertreter des Instituts für Physiotherapie an. Der 2017 am KSW als Premiere durchgeführte Forschungsnachmittag war auch ein Jahr später wieder ein grosser Erfolg – mit über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den verschiedensten Bereichen des Spitals. Zwei Referenten der ETH sprachen dabei über die medizinische Forschung, und es wurde darüber diskutiert, wie das KSW und die Hochschule die Zusammenarbeit vertiefen könnten. Einer Institutionalisierung des Forschungsnachmittags steht also nichts im Weg. Gar doppelt geführt wurde aufgrund des grossen Interesses der Kurs «Verfassen naturwissenschaftlicher Publikationen».

Der Forschungskommission gehört erstmals ein Vertreter der Physiotherapie an.

Anstieg beim General Consent
Der General Consent, die schriftliche Einwilligung der Patienten, ihre Daten aus der Routine der Forschung zur Verfügung zu stellen, wurde weiter ausgebaut. Rund 40 000 Patientinnen und Patienten am KSW haben bis Ende 2018 eine Einwilligungserklärung unterschrieben. Ein Jahr zuvor waren es 15 000 gewesen. Dieser Wert soll jedes Jahr kontinuierlich ansteigen, ist es doch das erklärte Ziel, dass jeder KSW-Patient angefragt wird und eine Entscheidung über die Weiterverwendung seiner Daten trifft.