Weniger Behandlungen wegen Pandemie

Auch unter erschwerten Bedingungen hat das KSW 2020 die medizinische Versorgung der Bevölkerung aus der Region jederzeit sichergestellt. Es hat Organisation und Infrastruktur der aktuellen Situation entsprechend rasch angepasst und als eines der ersten Spitäler PCR-Tests angeboten, die im eigenen Labor ausgewertet wurden.

Das KSW behandelte im Jahr 2020 26 885 Patientinnen und Patienten stationär, das sind 4,1% weniger als im Vorjahr. Rund 600 davon waren wegen einer Infektion mit COVID-19 hospitalisiert. Die Anzahl Taxpunkte für ambulante Leistungen sank ebenfalls, nämlich um knapp 3%. Für den herausragenden Einsatz in der Krisensituation gebührt den Mitarbeitenden ein ganz grosser Dank. Ohne ihre Bereitschaft, auch unter erschwerten Bedingungen immer wieder noch eine Extrameile zu gehen, wäre die medizinische Betreuung der Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet nicht möglich gewesen. Und diese sind wir der Bevölkerung schuldig.

Erwartet hatte das KSW, gestützt auf die Entwicklungen in den vergangenen fünf Jahren, ein Wachstum bei der Anzahl Behandlungen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Der Start ins Jahr war denn auch intensiv: In den ersten zwei Monaten behandelte das KSW 4% mehr Patientinnen und Patienten stationär und 9% mehr ambulant als in der gleichen Vorjahresperiode.

Der erste Lockdown im Frühling stoppte diese Entwicklung. Mehr als ein Drittel der Operationen und Therapien musste aufgeschoben werden, weil der Bundesrat ein Verbot für nicht dringliche Behandlungen verfügt hatte. Im Sommer konnte zwar ein kleiner Teil der Behandlungen nachgeholt werden. Viele Patientinnen und Patienten, für die ein Eingriff oder eine Therapie geplant war, mussten sich aber gedulden. Die aufgeschobenen Behandlungen wurden entsprechend ihrer Dringlichkeit durchgeführt.

Auch im November und Dezember konnten weniger Patientinnen und Patienten (–9% gegenüber dem Vorjahr) behandelt werden. Es gab zwar kein Behandlungsverbot, aber die hohe Zahl der hospitalisierten COVID-19-Patienten absorbierte sehr viele Ressourcen. Es gelang deshalb bis Ende Jahr nicht, alle Behandlungen nachzuholen. Weitere Details siehe Seite 11 ff., Corona-Schwerpunkt.

Aufenthaltsdauer weiter reduziert

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Patientinnen und Patienten am KSW sank 2020 erneut, nämlich von 4,9 auf 4,8 Tage. Dies trotz der überdurchschnittlich langen Hospitalisationsdauer der COVID-19-Erkrankten von rund 8,6 Tagen. 2020 wurden im Durchschnitt ähnlich komplexe Patientenfälle behandelt wie im Vorjahr. Der durchschnittliche Schweregrad, der Case Mix Index (CMI), lag mit 1,042 etwa gleich hoch wie ein Jahr zuvor, trotz Corona-Patienten mit teils schweren Verläufen. Der Zusatzversichertenanteil blieb 2020 mit 21,2% gegenüber dem Vorjahr (21,4%) praktisch unverändert.

Weitere Themen

Patientenstatistik

Kennzahlen Patienten Departement Medizin Departement Chirurgie Departement Geburtshilfe und Gynäkologie Departement Kinder- und Jugendmedizin Institute (inkl. Augenklinik, Radio-Onkologie, Notfallorganisation) Total KSW 2020 Total KSW 2019
Austritte stationär 8 420 10 641 4 313 2 550 961 26 885 (100,%) 28 024 (100,0%)
davon grundversicherte Patienten 6 448 8 058 3 874 2 164 647 21 191 (78,8%) 22 038 (78,6%)
davon halbprivat versicherte Patienten 1 428 1 672 355 274 225 3 954 (14,7%) 4 189 (14,9%)
davon privat versicherte Patienten 544 911 84 112 89 1 740 (6,5) 1 797 (6,4%)
CMI* (durchschnittlicher Schweregrad) 1,141 1,251 0,588 0,725 0,734 1,042 1,033
Aufenthaltsdauer 6,5 4,5 3,3 4,5 2,1 4,8 4,9
davon grundversicherte Patienten 6,4 4,4 3,3 4,8 2,1 4,8 4,9
davon halbprivat versicherte Patienten 6,6 5,1 3,9 2,7 2,0 5,2 5,3
davon privat versicherte Patienten 6,7 4,3 4,0 3,3 2,0 4,9 5,0
Taxpunkte ambulante Leistungen** 22 017 871 13 909 676 5 277 852 7 239 005 73 588 713 122 033 118 125 605 410

Austritte stationär

Total KSW 2020 Total KSW 2019
26 885 (100,%) 28 024 (100,0%)

Für detaillierte Tabellenansicht

* CMI 2019 gemäss SwissDRG Version 8.0, CMI 2020 gemäss SwissDRG Version 9.0
Der CMI 2020 wurde per 1. Februar 2021 ermittelt und umfasst 99,8% der zu berücksichtigenden Fälle. Leichte Veränderungen am ausgewiesenen CMI können sich im Verlauf des Jahres 2021 ergeben.
Beim CMI des Departements Kinder- und Jugendmedizin sind die Patientinnen und Patienten der Kinderpsychiatrie nicht berücksichtigt.
** Für alle Organisationseinheiten werden Tarmed-Taxpunkte ausgewiesen, mit Ausnahme des Instituts für Labormedizin und des Instituts für Therapien und Rehabilitation (ITR), die nach einem eigenen Leistungstarif abrechnen. Ab 2019 gehört die Ergotherapie zum ITR und wird dort ausgewiesen.
Bei den ausgewiesenen ambulanten Taxpunkten handelt es sich ausschliesslich um die Taxpunkte der fallführenden Organisationseinheiten.


Mehr ambulante Geburten

2020 kamen am KSW 1792 Babys zur Welt, 857 davon Mädchen und 935 Knaben. Es wurden 51 Zwillingspaare geboren (102 Babys). Drillingsgeburten gab es keine, wie schon 2019. Ambulante Geburten sind im Corona-Jahr, möglicherweise wegen der Einschränkung der Besuchsmöglichkeiten, beliebter geworden: Waren 2019 noch 1,9% der Geburten ambulant, sind es 2020 5,5%. Zwölf Mädchen wurden Alina genannt, zehn Elina und je acht Sara, Ella oder Mila. Bei den Knaben gehörte der Name Leon, wie schon im Vorjahr, zu den Spitzenreitern, gleichauf mit Noah. Diese Namen erhielten je zehn Knaben, ihnen folgten neun Leanos.

COVID-19: Ein Virus stellt alles auf den Kopf

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat auch das KSW vor grosse Herausforderungen gestellt: Als eines der fünf COVID-A-Spitäler im Kanton Zürich nahm es die Aufgabe wahr, an COVID-19 erkrankte Personen zu behandeln, auch solche mit schwerer Immunsuppression. Der Aufwand für den Aufbau der erforderlichen und von der kantonalen Gesundheitsdirektion vorgeschriebenen Infrastrukturen und Personalressourcen war immens. Die Mitarbeitenden sowie das interdisziplinäre Pandemiemanagement meisterten die ausserordentliche Lage mit grossem Einsatz und auf hohem Niveau.

Gleichzeitig war das KSW gezwungen, nicht dringliche Eingriffe und Behandlungen aufzuschieben. Dies infolge des bundesrätlich verfügten Lockdowns im Frühling und des Vorhaltens von Kapazitäten zur Behandlung von COVID-19Patienten. Im Zeitraum vom 16. März bis zum 27. April 2020 mussten wegen der Pandemie über 1000 Operationen abgesagt respektive aufgeschoben werden. Gegenüber der Vorjahresperiode konnten 30% weniger Patientinnen und Patienten stationär und 40% weniger ambulant behandelt werden. Nicht wenige Menschen mit bedrohlichen Gesundheitsproblemen gingen zudem nicht mehr zum Arzt oder ins Spital – aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken.

Nachholmöglichkeiten im Corona Zwischentief

Auch nach der Aufhebung des Lockdowns schränkte die Behandlung von an COVID-19 Erkrankten die Kapazitäten des KSW erheblich ein. Erst in den Sommermonaten war es möglich, einen Teil der aufgeschobenen Behandlungen vorzunehmen und ähnlich viele Patientinnen und Patienten wie in den ersten beiden Monaten des Jahres zu versorgen. Gegenüber der Vorjahresperiode stieg die Anzahl stationärer Behandlungen um 4%, die der ambulanten um 5%.

Die Vorbereitungen auf die erwartete zweite Welle liefen parallel zum Betrieb auf Hochtouren. Damit das KSW die steigende Anzahl Patientinnen und Patienten mit COVID-19 behandeln konnte, wurden ab Juni rund 60 Stellen neu geschaffen und besetzt.

Zweite Welle im Herbst

Dennoch mussten ab Mitte Oktober Betten auf Stationen und einzelne Operationssäle geschlossen werden, denn die Behandlung von COVID-19-Patienten erfordert überdurchschnittlich hohe Personalressourcen. Dieser Schritt war nötig, um die Belastungsgrenze des Spitals nicht zu überschreiten und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auf der Intensivstation wurde die Kapazität auf 18 zertifizierte Betten erhöht, die zu 94 bis 100% belegt waren. Im Vergleich zur Vorjahresperiode war am KSW von November bis Ende 2020 aufgrund von COVID-19 ein Minus von 165 Operationen (stationär und ambulant) sowie ein Minus von 9% bei den stationär behandelten Patientinnen und Patienten zu verzeichnen. Auch im ambulanten Bereich mussten Behandlungen aufgeschoben werden.

Die zweite Welle ist Anfang Februar 2021 langsam abgeklungen. Um ihren Verlauf aufzeigen zu können, wurden die statistischen Daten bis

Januar 2021 einbezogen. Bei Redaktionsschluss am 15. März 2021 war die Frage allgegenwärtig, ob und wann eine dritte Welle, möglicherweise ausgelöst durch mutierte Viren, folgen wird.

Langzeitkonzept für das Management von COVID-19

Das KSW hatte bereits im Januar 2020, zu Beginn der COVID-19-Pandemie, eine interdisziplinäre Taskforce einberufen. Diese konnte sich auf das Konzept «Führung im Krisenereignis» des KSW stützen. Am 1. März löste die Spitalleitung die Taskforce durch einen Krisenstab ab. Ende März, als absehbar war, dass die Corona-Pandemie das KSW länger beschäftigen würde, wurde der Krisenstab in ein Pandemiemanagement überführt, geleitet von Susanna Oechslin, COVID-19-Delegierte der Spitalleitung. Dessen Hauptaufgabe war es, den Normalbetrieb parallel zum COVID-19Ausnahmebetrieb sicherzustellen. Ein Langzeitkonzept für diese ausserordentliche Situation wurde im Frühjahr und Sommer entwickelt.

Abgestimmt auf die aktuelle Lage, traf sich das 13- bis 16-köpfige Team regelmässig zum Morgenrapport, während hoher Eskalationsstufen täglich. Entwicklungen wurden analysiert, Ressourcen geklärt und die nötigen Aktivitäten in Absprache mit der Spitalleitung in die Wege geleitet. Das Herunterfahren des Operationsbetriebs, die Schliessung von Abteilungen oder die Rekrutierung von zusätzlichem Personal wirkten sich finanziell massiv aus und mussten sorgfältig auf die Vorgaben des Kantons und des Bundes sowie auf die aktuelle Lage abgestimmt werden.

Teilkonzepte und Stufenpläne

Die COVID-19-Stationen, deren ärztliche und pflegerische Führung dem Departement Medizin obliegt, werden gemäss siebenstufigem Eskalationsplan betrieben. Auf Stufe 7 könnten maximal 137 COVID-19-Patienten betreut werden. Dazu müssten auf mehreren Etagen zusätzliche Zonen eingerichtet werden. Ärztinnen und Ärzte aus Medizin und Chirurgie sowie Pflegefachkräfte müssten aus diversen Bereichen abgezogen werden.

Auch das Notfallzentrum, die Intensivstation und die Departemente Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin haben Stufenpläne festgelegt, die lagebedingt zum Einsatz kommen. Auf den Überwachungsstationen (Zentrum für Intensivmedizin, Wachsaal, umfunktionierter OP-Bereich) können auf der höchsten Stufe maximal 38 intensivmedizinische Betten (mit Beatmung) und 9 Betten für Intermediate Care (ohne Beatmung) betrieben werden. Eine maximale Betriebsauslastung wäre jedoch sehr schwierig geworden, weil dafür nicht genügend Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegefachpersonen mit entsprechender Weiterbildung zur Verfügung gestanden hätten. Zudem hätte ein Operationsbereich aufwendig in eine Intensivstation umgebaut werden müssen. Die Hygiene- und Zertifizierungsvorgaben hätten nicht mehr eingehalten werden können.

Auch der Personaleinsatz für Dienstleistungen rund um COVID-19 wie Hotlines, Resultatübermittlung, Meldung ans Bundesamt für Gesundheit oder personalärztlicher Dienst ist im Langzeitkonzept geplant. Teilkonzepte bestehen für Bewirtschaftung und Versorgung, Sicherheit, Personalbereich (HR) oder auch die Kommunikation.

Schutzkonzepte für das gesamte Spital

Für sämtliche Bereiche wurden Schutzkonzepte erarbeitet. Das Personalrestaurant blieb unter strengen Auflagen stets geöffnet, während die Cafeteria für die Besucherinnen und Besucher gemäss Verordnung des Bundes geschlossen werden musste. Da die Besuchsmöglichkeiten wegen der strengen Vorschriften zeitweise stark eingeschränkt waren, war der Bedarf an Verpflegung entsprechend gering. Der Ertrag aus der Verpflegung am KSW ist denn auch um über 1 Mio. CHF eingebrochen. Auch der Ertrag aus Schul- und Kursgeldern ist um mehr als 50% geringer ausgefallen als im Vorjahr.

Grosses Dankeschön an das Personal

Täglich kämpfte das Personal mit der Ungewissheit, was heute und morgen sein würde. Die Belastung der Abteilungen war ungleich hoch: Die einen standen unter enormem Druck, Überstunden und zusätzliche Einsätze waren an der Tagesordnung. Die Einsatzplanung achtete darauf, dass Doppelschichten nur in Ausnahmefällen geleistet werden mussten. Manche Mitarbeitenden verkürzten im Sommer gar ihre Ferien, damit ein Teil der aufgeschobenen Operationen und Behandlungen nachgeholt werden konnte. Es gab aber auch die gegenteilige Situation: Ein Teil der Mitarbeitenden war vor allem im Frühling markant unterbeschäftigt, weil zwischen dem 16. März und dem 27. April 2020 nicht dringliche Eingriffe und Behandlungen verboten waren.

Die einen waren überlastet, die andern durften nicht behandeln.

Zu Beginn der zweiten Welle konnten die Patientinnen und Patienten auf der COVID-19-Station von speziell ausgebildetem Pflegepersonal betreut werden. Mit dem Anstieg der Hospitalisationen wurde zusätzliches Pflegepersonal benötigt, das für diese schwierige Aufgabe jedoch zuerst geschult werden musste. Fachpersonal aus der Palliativmedizin unterstützte zudem bei sehr belastenden Patientensituationen. Dank der personellen Unterstützung durch die Pneumologie und die Physiotherapie sowie spezifisch ausgebildetem Pflegepersonal war es möglich, auf der COVID-19-Station eine spezialisierte «respiratorische» Einheit aufzubauen und dadurch die Intensivstation zu entlasten.
Weil die Belastung der Mitarbeitenden, die sich um COVID-19-Patienten kümmern, nicht nur physisch, sondern auch psychisch sehr hoch ist, unterstützt das KSW sie mit einem umfangreichen Angebot. Dazu gehören eine interne vertrauliche Hotline, Coaching-Angebote, die Unterstützung durch Psychologinnen und Psychologen sowie ein Seelsorgeteam. Fallbesprechungen werden von Mitgliedern der Ethikkommission begleitet, sofern dies angezeigt ist.

Corona-Prämie für Mitarbeitende

Das KSW hat es in einem durch Corona geprägten Jahr geschafft, unter erschwerten Bedingungen eine konstante, jederzeit ausreichende und qualitativ hochstehende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet zu gewährleisten. Trotz erheblichem Umsatzeinbruch und Mehrkosten hat das KSW aus eigener Kraft ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Diese ausserordentliche Leistung ist den Mitarbeitenden zu verdanken, die immer wieder eine Extrameile gegangen sind. Auf Antrag der Spitalleitung hat der Spitalrat deshalb entschieden, zulasten des Jahresergebnisses allen Mitarbeitenden für den Einsatz in der Corona-Pandemie eine Einmalprämie in Höhe von maximal 1000 CHF – abhängig vom Anstellungsgrad – auszurichten. Die Mittel dazu wurden der Jahresrechnung 2020 belastet. Diese Anerkennung ist verbunden mit einem herzlichen Dank für den ausserordentlichen Einsatz in schwierigen Zeiten.

COVID-19 in Zahlen

Für den Jahresbericht stehen detaillierte Informationen zu 643 COVID-19-Patienten zur Verfügung, die im Zeitraum vom 1. März 2020 bis 31. Januar 2021 stationär im Departement Medizin behandelt wurden. Zusätzlich wurden 21 erwachsene Patientinnen und Patienten im KSW stationär behandelt, die zwar positiv auf COVID-19 getestet wurden, aber nicht wegen COVID-19 hospitalisiert waren. 20 Patientinnen und Patienten waren unter 18 Jahre alt und wurden ebenfalls nicht in die Analyse eingeschlossen. Insgesamt waren 59% der Hospitalisierten Männer, 41% Frauen. Zwischen den beiden Wellen gab es keinen wesentlichen Unterschied.

Corona-Tests am KSW

Seit März 2020 bietet das KSW PCR-Tests für Personen an, bei denen gemäss Definition des BAG der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht. Bereits im April stand eine umfangreiche Testinfrastruktur bereit, wo während sieben Tagen die Woche täglich bis zu 400 PCR-Tests durchgeführt werden können. Eine Online-Anmeldeplattform und ein Ticketing-System tragen seit Herbst zur Verkürzung der Wartezeiten bei.

Bis Ende 2020 wurden am KSW 38 340 PCR-Tests gemacht. 11,4% oder 4374 waren positiv. Die PCR-Analysen werden seit Ende März im Institut für Labormedizin am KSW durchgeführt. Die Möglichkeit der spitalinternen COVID-19-Diagnostik hat das klinische Patientenmanagement und die spitalhygienischen Massnahmen zur Bewältigung der Pandemie beeinflusst und vereinfacht. Während einer Epidemie ist es besonders wichtig, dass schnell Entscheidungen getroffen werden können und die Wege kurz sind.

Drei Viertel der hospitalisierten COVID-19-Patienten waren unter 80 Jahre alt

Lediglich 23% der COVID-19-Patienten, die während des untersuchten Zeitraums vom Departement Medizin betreut wurden, waren über 80 Jahre alt (19% erste Welle, 25% zweite Welle). Den grössten Anteil machten die 65bis 79-Jährigen aus, nämlich 34% (26% erste Welle, 36% zweite Welle). Nur gerade 14% der Hospitalisierten waren zwischen 30 und 49, lediglich 2% zwischen 18 und 29 Jahre alt.

Die Zahlen zeigen eindrücklich, dass in der zweiten Welle im Verhältnis deutlich mehr hospitalisierte Patientinnen und Patienten über 65 Jahre alt waren. Der Altersdurchschnitt lag in der ersten Welle bei 62, in der zweiten Welle bei 67 Jahren.

Dauer Aufenthalt COVID-19-Station und Intensivstation

In der zweiten Welle waren die COVID-19-Patienten im Durchschnitt weniger lang im Spital als in der ersten Welle. 75 Tage dauerte die längste Hospitalisation am KSW.

Knapp 12% der COVID-19-Patienten mussten auf der Intensivstation behandelt werden. In der ersten Welle waren es mit 16% deutlich mehr als in der zweiten Welle mit 9%. Dies kann dadurch erklärt werden, dass das Behandlungsteam der Corona-Abteilung in der zweiten Welle von einem spezialisierten «respiratorischen» Team (Pneumologie, Physiotherapie und Anästhesiepflege) bei der Behandlung der beatmungsbedürftigen Patientinnen und Patienten unterstützt wurde. Die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation sank von 15 Tagen in der ersten Welle auf 12 Tage in der zweiten Welle. Ein Viertel der Patientinnen und Patienten war länger als 20 Tage auf der Intensivstation hospitalisiert, die längste Dauer betrug 61 Tage.

 

57 Todesfälle infolge COVID-19-Erkrankung

Am KSW waren von Anfang März 2020 bis Ende Januar 2021 leider 57 Todesfälle zu verzeichnen. Dies entspricht einer Sterblichkeitsrate von 8,9%. Knapp zwei Drittel der Verstorbenen waren mindestens 80 Jahre alt. Die Sterblichkeit war in der zweiten Welle leicht höher als in der ersten Welle. Dies ist dadurch begründet, dass die Patientinnen und Patienten in der zweiten Welle deutlich kränker waren. In der zweiten Welle starben prozentual weniger Patientinnen und Patienten über 80 an COVID-19 als in der ersten Welle (36% erste Welle, 21% zweite Welle). Der Anteil an jüngeren Patienten war hingegen höher (1% erste Welle, 5% zweite Welle).

Auf der Intensivstation stieg die Sterberate von 5% in der ersten Welle auf 18% in der zweiten Welle. Ein Grund dafür dürfte in den Krankheitsverläufen liegen, die in der zweiten Welle deutlich schwerer waren. Zudem mussten dank dem spezialisierten «respiratorischen» Team auf der COVID-19-Abteilung nur noch schwerkranke Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation aufgenommen werden.

Neubau «didymos»: Baufortschritt im Schatten der Pandemie

Die Pandemie brachte manches zum Stillstand. Auch die Arbeiten rund um den neuen, dreizehnstöckigen Bettentrakt und den zehngeschossigen Eingangstrakt am KSW gerieten ins Stocken. Auf den verschiedenen Baustellen im und um den Spitalneubau wurde dennoch – unter Einhaltung strenger Schutzkonzepte – weitergearbeitet.

Nachdem mit der Fertigstellung des Rohbaus («Hülle dicht») Ende 2019 ein wichtiges Etappenziel erreicht worden war, erlitt der Bau 2020 pandemiebedingt eine Verzögerung von rund sechs Monaten. Inzwischen präsentiert sich der stattliche Neubau auf dem südlichen Teil des Spitalareals nach aussen vollendet. Die Fassade und die Beschriftung sind angebracht, das Baugerüst wurde entfernt. Fortan konzentrieren sich die Arbeiten auf den Innenausbau und die Verbindung mit den bestehenden Bauten, die Gebäudetechnik oder den Anschluss des neuen Spitalgebäudes an das Fernwärmenetz der Stadt Winterthur.

Das Raumprogramm des Neubaus soll dazu beitragen, die Abläufe zu vereinfachen und zu verbessern. Statt in Einzelbüros und Untersuchungszimmern arbeiten Ärztinnen und Ärzte sowie das Fachpersonal grösstenteils in Open-Space-Bereichen und nutzen Untersuchungs- und Sprechstundenzonen gemeinsam. Die neue Arbeitsumgebung ermöglicht transparentere Arbeitsstrukturen, flachere Hierarchien, direktere Kommunikation, weniger Papier und dafür mehr digitale Informationen. Diese teilweise neue Form der Zusammenarbeit hat zum Ziel, die auf Transparenz und Teamgeist aufbauende Kultur weiter zu fördern.

Wohnlich und praktisch zugleich

Die insgesamt 213 Patientenzimmer basieren auf einer Einbettzimmer-Struktur und verfügen je über einen Erker und eine Bettnische, die als Aufenthaltsbereich für Patientinnen und Patienten und deren Besuch vorgesehen sind. Die grossen Fensterflächen erlauben einen weiten Blick über die Stadt Winterthur. Bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und Trakte wurden die Grundprinzipien der Farbpsychologie sowie von Healing-Environment-Konzepten berücksichtigt. Zimmer und Korridore präsentieren sich in warmen Holztönen und hellen Anstrichen.

Die medizinischen Geräte nehmen viel Platz ein. Damit Patientinnen und Patienten sowie das Fachpersonal optimale Bedingungen vorfinden, hat die Projektleitung bei der Beschaffung darauf geachtet, dass in den sieben Operationssälen, der Geburtenabteilung und der Neonatologie modernste, platzsparende Apparaturen verbaut werden. Im Sinne der Nachhaltigkeit werden, wo ökonomisch und logistisch sinnvoll, bestehende Geräte und Einrichtungen in den Spitalneubau übernommen. Eine von der Stadt Winterthur betriebene Solaranlage auf dem Dach des Neubaus ergänzt die bisherige KSW-Stromversorgung.

Der 25. Oktober 2021 ist im Projekt «didymos» ein Meilenstein. An diesem Tag übergibt die Bauleitung des Hochbauamts des Kantons Zürich den Neubau an die Bauherrschaft und Betreiberin, das KSW. Bis dahin werden die Arbeiten im Gebäude mit Hochdruck fertiggestellt. Der Betriebsbeginn ist für Februar 2022 vorgesehen.

Nach Betriebsaufnahme ist vor dem Rückbau Bereits kurz nach der Aufnahme des Betriebs im Neubau starten die Arbeiten zum Rückbau des alten Bettenhochhauses aus den 1960er Jahren sowie die Gestaltung der Umgebung im nördlichen Teil des Spitalgeländes. Diese Arbeiten sind voraussichtlich Anfang 2024 beendet.

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