Massive finanzielle Einbussen, aber keine roten Zahlen

Die Corona-Pandemie dominierte das Jahr 2020 für das KSW auch in finanzieller Hinsicht: Der Corona-Effekt belastet das Ergebnis mit rund 30 Mio. CHF. Trotzdem schliesst das KSW das Geschäftsjahr 2020 mit einem kleinen Gewinn von 1,7 Mio. CHF ab. Der Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 29,1 Mio. CHF ist erheblich. Hypothetisch bereinigt um die Sondereffekte wegen der Corona-Pandemie würde das Betriebsergebnis auf bzw. über dem Niveau des Vorjahres liegen. Weil das KSW keinen Betriebsverlust ausweist, erhält es vom Kanton Zürich keine Erlösausfallentschädigung.

Höherer Aufwand, geringerer Ertrag aus Behandlungen

Insgesamt sank 2020 der Ertrag im stationären Bereich um 4,1% von 335,0 auf 321,3 Mio. CHF, während dieser Wert in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um 3% gewachsen war. Dies zeigt die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Der Ertrag aus dem ambulanten Bereich konnte zwar von 172,0 auf 172,7 Mio. CHF um 0,4% gesteigert werden. Das Wachstum ist aber wegen der Pandemie deutlich geringer ausgefallen als in den Vorjahren, in denen der Erlös aus den ambulanten Behandlungen im Durchschnitt über 7% wuchs.

Trotz Corona-Pandemie hat das KSW einen Gewinn erwirtschaftet.

Während die Erträge insgesamt um 2,9% von 552,8 auf 536,9 Mio. CHF abnahmen, stieg der Aufwand um 2,2%, nämlich von 523,7 auf 535,2 Mio. CHF. Allein der Personalaufwand hat 2020 wegen zusätzlich benötigten Personals und Zusatzkosten für Überzeitentschädigungen, nicht bezogene Ferien und Corona-Prämien um 2,8% zugenommen.
Wie bereits in den Vorjahren haben die Ausgaben für die Kantonsapotheke massiv zugenommen, und zwar um 7,6%. In den Ausgaben enthalten sind neben den Kosten für die Arzneimittel auch weitere Entschädigungen an die Kantonsapotheke. Diese bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen wie im Vorjahr und liegen damit mutmasslich gegen 4 Mio. CHF über den Marktpreisen.

Finanzielle Auswirkungen von Corona

Die coronabedingten Nettoerlösausfälle beliefen sich 2020 auf 20 bis 30 Mio. CHF. Hinzu kommen um rund 6 Mio. CHF höhere Personalkosten für die Behandlung von COVID-19-Patienten und die COVID-19-Tests sowie zusätzliche Sachkosten im Umfang von 2 Mio. CHF für Schutzmaterial, Testinfrastruktur, Reinigung und externes Sicherheitspersonal. Demgegenüber stehen coronabedingte Zahlungen des Kantons Zürich von knapp 3 Mio. CHF für Aufbaukosten, die Schulung von IPS-Personal sowie das Führen einer COVID-19-Intensiv- und -Bettenstation.

Die EBIT-Marge (Betriebsgewinn vor Zinsen) sank von 4,5% auf 0,1% und die EBITDA-Marge (Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Zinsen) von 10,6% auf 6,2%. Die EBITDAR-Marge (Betriebsgewinn vor Mieten, Abschreibungen und Zinsen) liegt mit 6,6% zum ersten Mal seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 unter dem Zielwert von 10%. Hypothetisch bereinigt um die Sondereffekte der Corona-Pandemie hätte das KSW auch 2020 EBITDA- und EBITDAR-Margen von deutlich über 10% erreicht. Die erzielte EBITDA-Marge von 6,2% ist betrieblich für eine langfristige Ausrichtung des KSW nicht ausreichend. Sie entspricht jedoch dem durchschnittlichen Betriebsergebnis der Schweizer Spitäler, das gemäss einer Studie von PwC über 45 grössere Schweizer Spitäler in den Jahren 2015 bis 2019 zwischen 5,9% und 6,5% liegt.*

EBITDA-Marge bleibt auch 2021 unter Druck

Wegen der andauernden Corona-Belastungen und der für 2021 geplanten nicht aktivierbaren einmaligen Anschaffungen für den Neubau wird die EBITDA-Marge von 10% voraussichtlich auch 2021 nicht erreicht. Nach dem Bezug des Neubaus 2022 wird das KSW wieder eine EBITDA-Marge von 10% anvisieren, um die mit dem Neubau verbundenen höheren Abschreibungen sowie die umfangreichen Investitionen in die Digitalisierung tragen zu können.

Eigenkapitalbasis weiterhin stabil

Wie schon für 2019 beantragt der Spitalrat auch für 2020, den Jahresgewinn von 1,7 Mio. CHF dem Eigenkapital des KSW zuzuweisen. Das Eigenkapital erhöht sich somit per 31. Dezember 2020 von 385,3 auf 387,0 Mio. CHF. Die Eigenkapitalquote beträgt per 31. Dezember 2020 63,2%.

* PwC: «Schweizer Spitäler: So gesund waren die Finanzen 2019», November 2020.

Erfolgsrechnung

1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2020

in TCHF 2020 2019 Differenz zu Vorjahr in % Differenz zu Vorjahr absolut
Betriebsertrag
Erträge stationäre Patienten 321 307 335 024 –4,1% –13 717
Erträge ambulante Patienten 172 725 171 999 0,4% 726
Bestandesänderungen aus angefangenen Behandlungen 18 –157 –111,2% 175
Andere betriebliche Erträge 41 146 36 374 13,1% 4 772
Ertragsminderungen –846 1 083 –178,1% –1 929
Verwendung von zweckgebundenen Fonds 929 934 –0,6% –6
535 279 545 257 –1,8% –9 979
Betriebsaufwand
Medizinischer Bedarf 93 853 87 698 7,0% 6 155
Personalaufwand 355 203 345 384 2,8% 9 819
Übriger Betriebsaufwand 50 008 50 586 –1,1% –579
Zuweisung an zweckgebundene Fonds 771 1 886 –59,1% –1 115
499 835 485 554 2,9% 14 280
Betriebsergebnis vor Mieten, Zinsen und Abschreibungen (EBITDAR) 35 444 59 703 –40,6% –24 259
Mieten/Leasing 2 169 1 761 23,2% 408
Betriebsergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) 33 275 57 942 –42,6% –24 667
Abschreibungen
Abschreibungen auf Sachanlagen 30 193 30 257 –0,2% –64
Abschreibungen auf immateriellen Anlagen 2 552 3 302 –22,7% –750
32 745 33 559 –2,4% –814
Betriebsergebnis vor Zinsen (EBIT) 530 24 383 –97,8% –23 853
Finanzerfolg
Finanzertrag 465 155 200,3% 310
Finanzaufwand 479 2 799 –82,9% –2 320
Beteiligungsertrag 1 007 2 298 –56,2% –1 291
993 –346 –386,5% 1 339
Ordentliches Ergebnis 1 523 24 037 –93,7% –22 514
Ausserordentliches Ergebnis
Ausserordentlicher Ertrag 148 5 053 –97,1% –4 905
Ausserordentlicher Aufwand
148 5 053 –97,1% –4 905
Jahresergebnis 1 671 29 090 –94,3% –27 419

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Betriebsergebnis in Prozent des Betriebsertrags 2020 2019 2018 2017 2016
EBITDAR-Marge 6,6 10,9 10,8 11,5 14,0
EBITDA-Marge 6,2 10,6 6,1 6,2 9,0
EBIT-Marge 0,1 4,5 3,3 1,9 5,9

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