Corona 2021: Die grosse Unbekannte

Zu Jahresbeginn beschäftigte COVID-19 das KSW nach wie vor intensiv. Ende Januar 2021 war erkennbar, dass die zweite Welle in der Woche vor Weihnachten ihren Höhepunkt erreicht hatte. Die Ungewissheit, ob und wann eine dritte Welle mit mutierten, möglicherweise aggressiveren Viren eintreffen wird, sorgte jedoch weiterhin für grosse Anspannung. Das Impfprogramm lief im Januar schleppend an, da der Impfstoff sehr knapp war. Für die Impfung der breiten Bevölkerung erhielten das KSW und die Medbase Gruppe gemeinsam vom Kanton Zürich den Auftrag, in Winterthur ab April ein Impfzentrum zu betreiben.

Strategische Herausforderungen

2021 werden zwei Grossprojekte am KSW von zentraler Bedeutung sein. Der Ersatzneubau «didymos» soll Ende Oktober fertiggestellt sein – die Aufnahme des Betriebs ist auf Februar 2022 geplant.

Zudem wird die neue Einheit «Prozessgestaltung und Digitalisierung» aufgebaut, deren Direktor in der Spitalleitung verankert ist. Einerseits sind für die Ablösung des Klinikinformationssystems ausreichend interne Ressourcen nötig, anderseits sind im Interesse der Patientinnen und Patienten bereichsübergreifende Gesamtprozesse zu schärfen, zu ordnen und sinnvoll zu digitalisieren. Hier hat das KSW wie auch das gesamte Gesundheitswesen im Vergleich zu anderen Branchen erheblichen Nachholbedarf.
Im Rahmen der vom Kanton angekündigten Spitalplanung 2023 wird das KSW 2021 beantragen können, welche Leistungsangebote per 2023 weitergeführt, eingestellt oder neu aufgebaut werden sollen. Diese strategische Weichenstellung ist für das KSW als Zentrumsspital wesentlich.

Auch an den Themen «Führung und Organisation» sowie «Risikomanagement» wird intensiv weitergearbeitet, um die wachsende Organisation auf die Herausforderungen der Zukunft optimal ausrichten zu können. Die aussergewöhnliche Situation im Geschäftsjahr 2020 zeigte das Potenzial und einige Ansatzpunkte auf, um die stetig wachsende Komplexität zu reduzieren sowie die Planung und Führung transparenter zu machen. Die 2019 festgelegte strategische Roadmap gibt die Richtung vor.
Weiterhin fordern wird das KSW infolge Knappheit der Fachkräfte die Rekrutierung in konkreten Einzelfällen. Es gilt, das KSW auf dem Arbeitsmarkt als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren.

Steigender Aufwand

Seit 2014, als der Kantonsrat den Businessplan für den Ersatzneubau des Hochhauses genehmigte, ist klar, dass das KSW nach der Fertigstellung des Gebäudes während mindestens zweier Jahre ein Defizit verzeichnen wird. Beim Jahresabschluss 2021 werden wie angekündigt erstmals entsprechende Zusatzkosten die KSW-Rechnung belasten. Die vom Spitalrat verabschiedete Mittelfristplanung geht – trotz anhaltender Produktivitätssteigerung – von deutlich niedrigeren Gewinnzahlen aus. Nebst höheren Gebäudekosten sind höhere Lohn- und Lohnnebenkosten zu erwarten. Das KSW wird diesen Mehraufwand verkraften können, wenn es zum einen gelingt, die Produktivität weiter zu steigern. Zum andern sind im regulierten Bereich bei heute grundsätzlich nicht kostendeckend zu erbringenden Leistungen politische Grundsatzentscheide unumgänglich, sollen die Spitäler auch in Zukunft wirtschaftlich arbeiten können und auf finanziell gesundem Fundament stehen.

Ungewisse Entwicklung der Tarife

Der Ausfall an Erträgen infolge der Corona-Pandemie wird das Ergebnis des KSW auch für das Geschäftsjahr 2021 deutlich mindern. Sofern sich die Situation im Gesundheitswesen wieder normalisiert – wovon ausgegangen wird –, kann das KSW dies verkraften. Sorgen bereitet hingegen die strukturelle Unterfinanzierung.

Als Zentrumsspital nimmt das KSW den Auftrag wahr, für alle Patientinnen und Patienten im Einzugsgebiet qualitativ hochstehende Leistungen zu erbringen. Das KSW ist – wie alle Spitäler der Schweiz – auf die Erträge aus der Behandlung von zusatzversicherten Patientinnen und Patienten angewiesen. Denn die ambulante wie auch die stationäre Behandlung der grundversicherten Patientinnen und Patienten ist defizitär. Dies ist bis anhin de facto politisch so gewollt. Das KSW setzt sich daher im kommenden Jahr weiterhin für vollkostendeckende Tarife im Grundversicherungsbereich ein.

Werden weiterhin keine vollkostendeckenden Tarife festgesetzt, wird mittel- und langfristig das unternehmerisch notwendige Ziel einer EBITDAR-Marge von mindestens 10% kaum erreichbar sein. Dies nicht zuletzt deshalb, weil im Zusatzversicherungsbereich die vertraglich vereinbarten Zusatzleistungen auf Druck von Finma und Preisüberwacher von einigen Versicherern in Frage gestellt werden.

Downloads